Im Folgenden das Transkript des „Austausch“ (PDF zum Download) des NRW-Ministerpräsidenten mit Teilnehmern der FridaysForFuture Kundgebung – ab 6:58 min im Video – anlässlich des Unternehmertages in Dortmund zu dem das Bistum Paderborn Armin Laschet als Redner zum Thema Nachhaltigkeit geladen hatte.

Armin Laschet erscheint mit einem Audi A8.

Aus der Menge: “Armin kommt!”

Während der Ministerpräsident aussteigt Gesang aus der Menge:

“Armin Laschet, Armin Laschet, schläfst du noch, schläfst du noch?

Hörst du nicht die Sägen, hörst du nicht die Sägen an deinem Stuhl, an deinem Stuhl?”

Reporter:

“Herr Laschet, Sie haben ja auch noch Nachholbedarf bei der Nachhaltigkeit, was wollen Sie von der heutigen Veranstaltung mitnehmen?”

Laschet grinst. Geht auf die Kundgebung zu.

Laschet: “Wollt ihr reden oder wollt ihr nur Megafon?”

Über Megafon: “Wir reden hier über Nachhaltigkeit.”

Ein anderer: “Wir können reden, wenn Sie dann handeln.”

Laschet: “Ja. Okay!”

Einige jubeln.

Laschet: “Also. Sehr gute Idee. Wir handeln…”

Aus der Menge: “Wann?”

Laschet: “Na mal langsam.

Reporter: “Nachhaltigkeit ist heute das Thema. Was möchten Sie da mitnehmen?”

Laschet an Reporter: “Ich würde gerne mit den Leuten Reden und nicht mit Ihnen, ja?”

Menge: “Er gehört zu uns, er gehört zu uns.” Ein Lacher.

Laschet: “Ich find das Thema ernst und nicht lustig. Wollt ihr es also hören oder nicht?”

Menge: “Doch. Bitte.”

Laschet: “Ich bin seit zwei Jahren im Amt. Hambacher Forst ist ein großes Thema. Hängt hier.Zeigt in Richtung einer Hambi-Fahne.

Mensch aus der Menge an Laschet: “Und was tun Sie?”

Laschet: “Sage ich Ihnen sofort. – Meine Vorgänger, SPD und Grüne, haben von ‘nem Wald der 4100 ha hat, 3900 abgeholzt.

Mensch aus Menge: “Das rechtfertigt aber nicht…”

Laschet unterbricht: “Moment!”

Reporter: “Haben Sie nicht als erstes die Abteilung für Umweltkriminalität abgeschafft?”

Laschet: “Wollen wir jetzt die Antwort hören? Ich dachte das Thema Hambacher Forst wär wichtig. Sie haben doch ‘ne Hambach-Fahne.”

Aus Menge: “Ne, es ging um Klimaschutz.” Laschet: “Diese eine Stelle, wo eine Person noch drauf saß, der Wildvögel beobachtet hat, ist in der Kriminalität besser angesiedelt und wir bekämpfen Umweltkriminalität. Herr Remmel hatte da eine Person sitzen. Das ist völlig unangemessen, um Umweltkriminalität zu bekämpfen. Und deshalb machen wir mehr. – Jetzt waren wir gerade bei dem Hambacher Forst. 3900 ha sind abgeholzt. 200 ha sind jetzt noch übrig. Und um die kümmern wir uns. Wir haben durchgesetzt, dass es einen Stopp gibt, egal wie Gerichte entscheiden. Morgen tagt das Bundeskabinett. Dann wird der Braunkohle-Ausstieg beschlossen, so wie Greenpeace, BUND und Gewerkschaften uns das vorgeschlagen haben.”

Mensch aus Menge“Das inkorrekt.”

Laschet: “Wir hören darauf, was uns diese Kommission gesagt hat. Morgen beschließt das Bundeskabinett. Unmittelbar fangen wir dann an, bei uns ein Kraftwerk nach dem anderen abzuschalten.

Mensch aus Menge: “Das sagen Sie?”

Laschet: “Das sage ich.”

Mensch aus Menge: “Also sagen Sie, dass der Kohleausstieg bis 2038 reichen wird?”  

Laschet: “Moment mal. Erstmal sag das nicht ich, sondern das sagen Experten.”

Mensch aus Menge: “Das sagen die nicht. Das ist komplett inkorrekt. Wenn sie sich die Unterlagen aus der Kohlekommission ansehen…”

Laschet unterbricht: “Ich hab da mit verhandelt. Also in sofern weiß ich’s. Ich saß mit Greenpeace zusammen. Ich saß mit dem BUND zusammen.”

Eine aus der Menge: “Lassen Sie ihn doch ausreden.”

Laschet: “Eben! ich fänd das ne gute Idee.”

Mensch aus der Menge: “Ich meinte nicht Sie.”

Laschet: “Wenn jeder immer jeden ausreden lässt, ist das ne gute Idee. Bitte!”

Mensch aus der Menge wieder: “Was ich sagen wollte ist: der BUND, BUND und Greenpeace, zu denen wir erstmal nicht gehören. Wir sind Fridays For Future. Die sagen jedenfalls nicht, dass der Kompromiss reicht. Sie sagen, sie konnten nichts besseres rausholen, wegen Ihrer Übermacht in der Kohlekommission. Und der Punkt ist der, dass der Kohleausstieg bis 2038 nicht reicht. Der Kohleausstieg bis 2038 bedeutet, dass wir alle leiden werden. Dass wir alle die Folgen Ihrer Politik zu tragen haben. Und dass Menschen auf der Welt sterben. Und diese menschen sind nicht irgendwo anders, was ihnen dann vielleicht egal ist, sie sind auch hier.”

Laschet: “Können Sie es ohne Beleidigung einfach vortragen. Mir ist kein Mensch egal!”

Mensch aus der Menge: “Aber so machen Sie nicht ihre Politik. Sie handeln so, als ob Ihnen das alles egal ist.”

Laschet: “Ich habe gesagt, das machen wir nicht parteipolitisch. Die große Koalition hat ne riesen Mehrheit und hätte irgendein Datum beschließen können. Ich war der Verhandlungsführer und hab gesagt, ich will hören: was sagen die Gewerkschaften, was sagt der Professor Schellnhuber, dessen Kompetenz Sie ja hoffentlich nicht anzweifeln, was sagt Greenpeace, was sagt der BUND, wie kriegen wir einen Kompromiss hin, nachdem wir aus der Kernenergie raus sind, was kein Land der Welt außer uns macht. Aus der Steinkohle raus sind und jetzt aus der Braunkohle ebenfalls herausgehen wollen. Wie kriegen wir das normal hin? Dann sagt Greenpeace: wir hätten uns mehr gewünscht. Wir haben aber dem Kompromiss zugestimmt. Und wenn wir schneller sind und ich will daran arbeiten, dass wir schneller werden, dann müssen die Leitungen für die Regenerativen gebaut werden. Und und und…”

Mensch aus der Menge: “Verstehen Sie mich nicht falsch, aber ich hab mit ihrem Minister Pinkwart geredet. Er hat mir gesagt dass der Kohleausstieg, wenn alles super läuft, frühestens 2036 möglich wäre.”

Laschet: Nein, nein, nein…”

Mensch: “Er hat mir das so gesagt. Wollen Sie das in Frage stellen?”

Laschet: “Entschuldigen Sie mal, erstmal hat die Kommission das gesagt und Sie sagen doch, ich tue nichts. Ich steige, nachdem alle meine Vorgänger 50 Jahre Braunkohle verbrannt haben, bin ich dabei auszusteigen. Ich bin die Regierung, die aussteigt.”

Mensch aus Menge: “Okay, vielleicht tun Sie was, aber es reicht bei weitem nicht.”

Laschet: “Okay! Das nehme ich ja gerne an. Deshalb demonstriert ihr ja und das finde ich auch in Ordnung.”

Frage aus Menge unverständlich – es geht wohl um die Mai-Kundgebung in Bielefeld.

Laschet: “Weil Sie denen, die hatten ein ganz anderes Thema. Denen war etwas anderes wichtig, weil sie das gestört hat. Das ist aber in Ordnung. Das kann man machen. Ich bin das gewöhnt, aber für die Gewerkschaften war das nicht ganz fair. Die haben ne Menge Mühe in den Tag gesteckt.”

Mensch aus der Menge: “Das ist genau eine Gewerkschaft, die sich gegen uns ausspricht.”

Laschet: “Nein, der DGB-Vorsitzende hat sich bei mir entschuldigt.”

Mensch aus der Menge: “Ver.di hat sich mit uns solidarisiert.”

Laschet: “Okay!”

Anderer Mensch aus der Menge: “ Das Handwerk sucht 150.000 Arbeitskräfte, die könnten die Kumpels sofort aufsaugen.”

Laschet: “Es geht doch nicht um die Kumpels. Moment mal. Es geht doch nicht um die Kumpels. Ich war vor ein paar Tagen bei den Chemie-Arbeitern. Wir haben plötzlich bei ThyssenKrupp 6000 Menschen, die entlassen werden.”

Mensch aus der Menge: “Und wie viele wurden…” Laschet legt beschwichtigend die Hand auf den Arm von Mensch. “Fassen Sie mich bitte nicht an. Ich mag das nicht.”

Laschet fährt aus der Haut: “Kommse, wenn Sie so…”

Mensch: “Ich möchte nicht angefasst werden.”

Laschet eingeschnappt: “Also ich hätte das gerne weiter geführt, aber…”

Mensch nochmal: “Sie haben 94.000 Jobs abgebaut in Deutschland….”

Laschet: “Ich bin erst zwei Jahre im Amt, gnädiger Herr. So. Wir steigen aus der Kohle aus und werden mehr CO2 reduzieren…”

Mensch: “Machen Sie das noch persönlich?”

Laschet: “Das werden Sie persönlich noch erleben.”

Mensch: “Das muss ja dann in den nächsten zwei Jahren passieren, weil Sie dann abgewählt werden?”

Laschet: “Werden Sie erleben. Warten Sie ein bis zwei Jahre und dann kommen Sie zu einem abgeschalteten Kraftwerk.”

Mensch: “Ich glaube Ihnen leider nicht, dass das passieren wird, weil Sie nicht so handeln.”

Laschet: “Wie handel ich denn?”

Mensch: “Sie haben in der WAZ gesagt, dass wir einen übereilten Kohleausstieg machen. Dass Sie das kritisieren, dass Sie das nicht wollen.”

Laschet: “Reden wir doch mal über Fakten. Es wär ne gute Idee dass sie mal kucken was ich mache: ich steige aus, ich schließe Kraftwerke und die Regierung. Nicht ich alleine. Ich stelle mich vor die Bergleute und sage denen: eure Jobs sind weg. Den Mut müssen Sie mal haben. Hier so rumpöbeln, das kann jeder.”

Mensch: “Der Unterschied ist der, dass wir es mit den Bergleuten zusammen machen möchten…”

Laschet: “Ich stelle mich vor die Leute. Ich stand da mit Vassiliadis und habe gesagt: eure Jobs sind weg.”

Mensch: “Ich habe auch mit den Leuten geredet… “  Rest unverständlich.

Laschet: “Ich find das schön, dass sie das machen…”

Mensch aus der Menge: “Herr Laschet, ich habe eine Frage! Wenn Sie doch sagen, Sie sind – mehr oder weniger – für den Erhalt des Hambacher Forst, warum tun Sie dann nichts dagegen, dass bei den Räumungen und Festnahmen dort, die Polizei mehrere Bäume dort abgefällt hat?”

Laschet: “Also ich würd mal erst erwarten, dass alle die dort Bäume fällen und Baumhäuser bauen, den Wald verlassen. Das ist nicht in Ordnung. Das ist ein Wald, der schützenswert ist und wo Tiere sind und da darf eigentlich keiner wohnen.”

Aus der Menge: “Lenken Sie nicht ab!” und “Wenn die Menschen dort nicht wohnen würden, wär der Wald doch schon längst weg!”

Mensch: “Das ändert aber nichts daran, dass die Polizei Bäume im Wald gefällt hat während der Räumungen, wenn Sie doch für den Erhalt des Waldes sind…”

Laschet: “Das erste ist doch mal, dass sie den räumen müssen. Und der Wald wird jetzt erhalten. Der Wald wird erhalten.” Unverständlicher Text. “Meine Vorgänger haben beschlossen, hier, Genehmigung, ihr dürft den Wald abholzen…”

Mensch: “Es geht jetzt nicht um ihre Vorgänger! Sie sind der Ministerpräsident!”

Laschet: “Doch! Es geht doch erstmal um die, die das erlaubt haben. So, wir leben in einem Rechtsstaat. Ihr wollt doch auch, dass wir in einem Rechtsstaat leben. Jetzt sage ich: Stop! Erstmal Moratorium! Gar nichts wird mehr abgeholzt. Das ist meine Position. Jetzt wird mit Bund verhandelt, dass der Wald als Ganzes gerettet wird. Und wenn das gelungen ist – vorher können wir es nicht – ändern wir das Landesrecht und ermöglichen, dass dieser Wald auf Dauer erhalten bleibt. Und wenn wir dann in zwei Jahren hier stehen, dann werden Sie sagen: okay, Sie haben die letzten 200 ha gerettet und die anderen haben 3900 abgeholzt.”

Mensch: “Das klingt schön, aber das wird nicht passieren.”

Laschet: “Ja dann lass uns hier wieder treffen. Also alles Gute!” Dreht ab und geht in den Veranstaltungsort. Menge wird laut: “Wir sterben auch für dich!“